Glauben in der Trauer

Der Tod und die Trauer stellen alles auf den Kopf. Es herrscht Chaos. Ein Durcheinander.
Ich muss mich neu sortieren. Nicht nur im privaten und beruflichen Umfeld.
Auch mein Glaube wird hinterfragt: Ist er mir hilfreich in meiner Not oder kann ich keinen "guten Gott" mehr erkennen?

Die einen trägt jetzt erst recht, was sie tief im Herzen glauben.
Für andere ist nichts mehr gültig - das Reden von Gott wird zur Zumutung. Wie konnte er das zulassen?
Alles kann sein.
Alles darf sein.

Klagen

Die Bibel erzählt uns vom Leben der Menschen und ihren Erfahrungen mit Gott.
Auch Verzweifelte und Klagende kommen immer wieder zu Wort.

Im Ersten Testament finden wir die lange schmerzliche Klage des Hiob:
"Und nun zerfließt meine Seele in mir, des Elends Tage packen mich an.
Des Nachts durchbohrt es mir die Knochen,
mein nagender Schmerz kommt nicht zur Ruh.
Ich schreie zu dir und du antwortest mir nicht;
ich stehe da, doch du achtest nicht auf mich. (...)
Zur Trauer wurde mein Harfenspiel, mein Flötenspiel zum Klagelied."

(Hiob 30,16f.20.31)

Angesichts des Todes sind uns aus dem Evangelium diese Worte Jesu überliefert:
"Mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Mt 27,46)

Gottverlassenheit spürbar, erlebbar - angesichts des schrecklichen Todes.
Und doch bleibt: "Mein Gott!"
 

Angelika Daiker und Anton Seeberger:
WortBrüche
Klagegebete für Trauernde

Fragen

Meist sind es Kinder, die unvermittelt herausfordernde Fragen stellen:
"Wo ist er jetzt?" - "Kann sie mich hören?"

Es gibt wohl auf keine dieser Fragen einfache Antworten. Aber im Suchen und Ringen darum helfen - nicht nur Kindern - wohltuende Bilder und Vorstellungen, Orte und Handlungen, die die Verbundenheit und Hoffnung auch über den Tod hinaus zum Ausdruck bringen.

Ein Engel, der auf mich aufpasst.
Ein Sonnenstrahl, der mich streichelt.
Ein Regenbogen, der uns verbindet.
Ein Stern als neuer Platz.
Ein Bett in den Wolken.
Ein Erlebnis, das mich immer an dich erinnern wird.
Eine Leibspeise, die ich zu deinen Ehren esse.
Ein Ort, an dem wir uns besonders nahe sind.
Ein Lied, das du gerne gehört hast.

Oder in Worten des christlichen Glaubens:
Eine Hoffnung, die stärker ist als der Tod.
Eine Liebe, die über das Irdische hinausreicht.
Eine Auferstehung, weil du in Christus getauft wurdest.
Ein neues Leben bei Gott.
Ein Heimkommen zu dem, der mich ins Leben rief.

Was hilft Ihnen?
Welche Vorstellung trägt Sie?

Glaubende·r zu sein bedeutet nicht,
nicht mit Gott hadern zu dürfen.

Glaubende·r zu sein bedeutet, es zu versuchen,
auch in schweren Zeiten die Beziehung zu Gott nicht abreißen zu lassen.

► Seelsorger:innen und Trauerbegleiter:innen für Einzelgespräche finden Sie in unserer Ausgabe "Trauerwege 2022".
Auch Ihre örtlichen Seelsorger:innen der Kirchengemeinde, einer Glaubens- oder Ordensgemeinschaft sind für vertrauliche Gespräche über "Gott, den Glauben, die Trauer und die Welt" anfragbar.

Internetseelsorge der Katholischen Kirche: Seelsorger/innen stehen in schwierigen Lebenssituationen bei oder begleiten ein Stück auf dem Glaubensweg. Außerdem: Internetangebote zu Glauben und Spiritualität.

► "Momente mit Gott - damit der Faden nicht abreißt": Geistliche Lesung (Prosatexte und Lieder)

► Trauerpastoral und Bestattungskultur, Informationen und Material der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Abschiednehmen

Das Abschiednehmen am Sterbebett, in einer Feier in der Kirche, am Friedhof oder Grab ist unwiderbringlich für alle, die die verstorbene Person gekannt haben.

Es ist ein wichtiger Teil eines jeden trauernden Menschen.

Deshalb wollen wir Sie ermutigen, sich über die Möglichkeiten der Verabschiedungsformen und der Beteiligung zu informieren und die Trauerfeier und/ oder Beisetzung nicht nur im engsten Familienkreis zu begehen.

z.B. Aufbahrung und Verabschiedung zuhause (36 Stunden möglich), Beteiligung bei kreativer Gestaltung der Urne oder des Sarges oder Beteiligung bei der Versorgung des Verstorbenen (Informationen bei Ihrem Bestattungsunternehmen).

Zur Beteiligung der Trauernden durch Gebete und Gesänge: Liederbuch für die Bestattung (Neuauflage 2016)

Der Sterbesegen

[kann auch nach Eintritt des Todes gesprochen/gespendet werden]

(Name einsetzen), dein Leben ist/war einmalig und kostbar.
Es sei gesegnet im Angesicht Gottes.
Alles, was dir in den Sinn gekommen ist,
alles, was du gedacht und ersonnen hast,
geglaubt und erhofft,
alle Liebe, die du verschenkt hast,
sei gesegnet durch den dreieinigen Gott.
+ Kreuzzeichen auf die Stirn

Alles, was du in die Hand genommen,
angepackt und geschaffen hast,
ob geglückt oder misslungen,
alle Schuld, die du auf dich geladen hast,
sei angenommen vom barmherzigen Gott.
+ Kreuzzeichen auf die rechte Hand

Alles, was dir gegeben wurde,
das Leichte und das Schwere, Freud und Leid,
alles, was zu Ende geht/ging, und auch das,
was dein Leben überdauern wird und bleibt,
sei getragen vom lebendigen Gott.
+ Kreuzzeichen auf die linke Hand

Gott sende dir seinen Engel entgegen.
Er nehme dich bei der Hand
und führe dich durch Dunkelheit und Nacht ins Licht.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

♦ Einladung an alle Mitfeiernden, die Person auf ihre Weise zu segnen

(Quelle: Der Sterbesegen; Diözese Rottenburg-Stuttgart, siehe unten)

Der Sterbesegen
Liturgische Handreichung für Haupt- und Ehrenamtliche in Krankenhäusern und Hospizen, in Senioren- und Pflegeheimen, in der Notfallseelsorge und in Gemeinden und Pfarreien

Lieder der Seele

Ein Moment kann das ganze Leben verändern.
Dann der Blick nach oben:
"Frag mich, wo du gerade bist und wie es da wohl ist."

Ein modernes Klagelied rappt hier Azad:
"Wie lang muss ich noch zu Gott flehen?"

Vertrauensvoll, glaubend, emotionsstarke Bilder.
(mit Untertiteln)

Ein Klagegesang von 1816
Franz Schubert: Klage, h-moll

Buchempfehlungen

Giannina Wedde
Es wächst ein Licht in deinem Fehlen
Ein Trost- und Trauerbuch

Andreas Knapp
Gedichte auf Leben und Tod
Mit einem Essay über Gott und die Welt

Hartmut Schott
Gott hat beim Suizid meines Sohnes zugeschaut
Wie ich den Tod meines einzigen Kindes überlebt habe

Arne Kopfermann
Mitten aus dem Leben
Wenn ein Sturm deine Welt aus den Angeln hebt